Tim Butcher: Blood river : ins dunkle Herz Afrikas
Anna 2. Juni 2009
Tim Butchers Buch „Blood river : ins dunkle Herz Afrikas“ ist viel mehr als eine Abenteuer-/Reisereportage eines Europäers über Afrika, wie man vielleicht durch den Titel erwarten könnte. Es ist vielmehr eine erschreckende Bestandaufnahme über das Alltagsleben in der Dem. Republik Kongo.
Der britische Journalist Tim Butcher begibt sich im Sommer 2004 auf eine Reise zum Kongo. Auf den Spuren Stanleys soll es vom Tanganjikasee bis zur Mündung des Kongos gehen. Ein Vorhaben, das aus Sicht all seiner Berater zum Scheitern verurteilt ist. Er macht sich aber trotzdem auf dem Weg. Und er erlebt einen Staat im Herzen Afrikas, der völlig zusammengebrochen ist, eine Infrastruktur scheint in großen Teilen des Landes nicht mehr zu existieren. Menschen transportieren Waren mit dem Fahrrad über mehrere hundert Kilometer, weil es keine Straßen mehr gibt. Internationale Organisationen und Firmen lassen ihre Mitarbeiter einfliegen in Großstädte, die anders nicht zu erreichen sind. Die Menschen sind völlig abgeschnitten von der Welt, das führt zu der Absurdität, dass ältere Menschen mehr Moderne erlebt haben als die Kinder und Jugendlichen der heutigen Zeit. Millionen von Menschen leben in einem rechtsfreien Raum, erleben Überfälle von diversen Gruppierungen aus dem Kongo selbst aber auch von Milizen aus den Nachbarländern, sie laufen weg aus den Städten und Dörfern in den Busch, weil es keine Sicherheit von Seiten des kongolesischen Staates in den Städten mehr gibt.
Ein unbedingt lesenswerter Bericht, der auch heute 5 Jahre nach der Reise noch genauso aktuell. Das Buch ist gut geschrieben und öffnet dem Leser die Augen für ein Problem, über das die Medien nicht berichten.
Tim Butcher: Blood river : ins dunkle Herz Afrikas. – München : Frederking & Thaler, 2008, 14,95 €
- Sachliteratur
- Keine Kommentare
