Regula Tschumi: Die vergrabenen Schätze der Ga : Sargkunst aus Ghana
Anna 30. Dezember 2009
„Die vergrabenen Schätze der Ga“ ist ein sehr informativer großformatiger Bildband von Regula Tschumi. In diesem Fall sind die vergrabenen Schätze nicht das, was man vielleicht normalerweise vermuten würde, irgendwelche evrgrabene Kunstschätze, Schmuck etc. sondern es sind die Särge selbst. Bei den Ga, einer der großen Ethnien in Ghana, die im Raum Accra angesiedelt sind, gibt es seit ungefähr 50 Jahren eine Tradition der Sarg-Kunst. Die Särge werden von Sargschreinern kunstvoll figürlich gestaltet, in Form von Objekten, die einen Bezug zu dem Menschen haben, der in ihnen begraben wird. So gibt es z.B. ein Huhn für eine gute Mutter, eine Kakaobohne für einen Kakaofarmer, eine Zeitung für einen Intellektuellen, ein Flugzeug für einen Menschen, der immer von einer Reise geträumt hat. Die Särge werden für den Gebrauch gefertigt, haben aber inzwischen sogar den Weg als Kunstobjekte in die großen Museen Europas und Amerikas gefunden.
Die Autorin Regula Tschumi ist Ethnologin und beschreibt sehr umfassend und dabei sehr leicht zu lesen die Ursprünge und die Entwicklung dieser noch recht neuen Tradition. Nach einer kürzeren Einführung zu den Ga, beschreibt sie einzelne Sarg-Handwerker/Künstler und ihre Werke, danach geht es um die allgemeinen Beerdigungstraditionen der Ga.
Dabei ist ein wunderschönes Buch entstanden, in dem die vielen ausdrucksstarken Fotos den Text erklären und umgekehrt. Ein Buch über eine ganz andere Art mit dem Tod umzugehen, ein Buch über etwas, das für uns Kunst ist aber für die Ghanaer Alltag, Teil ihrer Glaubensvorstellungen.
Das Buch ist auch in einer englischen Ausgabe 2007 erschienen und so vielleicht auch für Ghanaer selbst interessant.
- Bildband , Sachliteratur
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