Nayo Bruce. Geschichte einer afrikanischen Familie in Europa

Anna 30. Dezember 2009

„Nayo Bruce“ ist der Name eines Mannes aus Westafrika (Togo/Ghana) der um 1900 als Darsteller für eine der damals weit verbreiteten Völkerschauen nach Europa kommt. Auf dem ersten Blick ein Opfer dieser aus unserer Sicht unwürdigen Darstellung von Menschen aus exotischen Ländern macht Nayo Bruce daraus aber sehr viel. Schon in Togo der Oberschicht angehörig und dabei sehr gebildet, ist sein Ziel mit seiner Familie in Europa Fuß zu fassen. Und so setzt er nach der ersten Reise als Darsteller alles daran wieder nach Europa zu kommen, dazu organisiert er eine eigene Showtruppe für Völkerschauen. Zuerst ist er mit dieser Gruppe angestellt bei einem Veranstalter, nach Reibereien mit diesem macht er sich später selbstständig und tourt mit seiner Gruppe (in der auch einige seiner Frauen und Kinder sind) durch ganz Europa bis er 1919 in Russland stirbt.

Rea Brändle beschreibt in ihrem Buch die Geschichte Nayo Bruces, seine Tournee quer durch Europa und welche Auswirkungen die politischen Geschehnisse Anfang bis Mitte des Jahrhunderts in Europa auf ihn und seine Familie hatten. Die Autorin hat sich auf die Suche gemacht, was aus seiner Familie nach seinem Tod geworden ist und sie hat seine Kinder und Kindeskinder sowohl hier in Europa als auch in Afrika gefunden.

Das Buch ist flüssig geschrieben, der interessante ausführliche wissenschaftliche Apparat ist am Ende des Buches, so dass der Hauptteil gut ohne Unterbrechungen zu lesen ist. Ein sehr wichtiges Buch zum Thema Afrikaner Anfang des 20. Jahrhunderts hier in Europa. V.a. auch weil in diesem Fall Nayo Bruce eine sehr aktive, selbstständige, geschäftstüchtige Person ist und nicht dem Bild entspricht, den man beim Gedanken an Afrikanern in Völkerschauen hat.

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