Mary Kreutzer und Corinna Milborn: Ware Frau - auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa

Tobias Kirsch 23. Juli 2008

Mary Kreutzer und Corinna Milborn: Ware Frau - auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa

Ware Frau, konsumiert von Männern - bestellt, verkauft, ausgebeutet in diesem Fall aber von ebenfalls Frauen.

Mary Kreutzer und Corinna Milborn dokumentieren in ihrem sehr lesenswerten Buch „Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa“ eine erschreckende Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte.

Im Rahmen eines straff organisierten Frauenhandels werden in Afrika, speziell in Nigeria und dort im Süden um die Stadt Benin City herum, junge Frauen angelockt. Ihnen wird ein besseres Leben in Europa versprochen, ein guter Job, teilweise auch eine Ausbildungen, Ihren Familien wird Geld aus Europa in Aussicht gestellt, so dass die Eltern, Großeltern ihre Töchter ermutigen, den Weg nach Europa zu gehen.
Und in den letzten Jahren bedeutet dies im wahrsten Sinn des Wortes gehen. War es bis vor einigen Jahren noch relativ einfach mit falschen Papieren mit dem Flugzeug nach Europa zu kommen, hat sich dies inzwischen so erschwert, dass die Frauen über größere Strecken zu Fuß durch die Wüste geschleust werden, wobei diese Reise nach Europa bis zu zwei Jahre dauern kann. Auf dieser Reise kommen die Frauen das erste Mal mit Gewalt und Prostitution in Kontakt, die Frauen werden von ihren Begleitern gezwungen sich zu verkaufen, von anderen Begleitern werden sie missbraucht.

Haben die Frauen es endlich geschafft, Europa zu erreichen, beginnt erst die eigentliche Hölle. Sie landen bei ihren Zuhälterinnen, den so genannten „Madames“ - nigerianische Frauen, die auf dem gleichen Weg nach Europa kamen und die später die Seite gewechselt haben. Die „Madame“ hat die junge Frau schon in Nigeria ausgesucht und bestellt, bei dieser „Madame“ müssen die Frauen die Kosten der Reise abarbeiten, diese Kosten können sich auf 30.000 bis 60.000 Euro belaufen. Die „Madames“ überwachen jeden Schritt der Frauen, sie entziehen ihnen ihre Pässe, schrecken auch nicht vor Gewalt zurück, um die Frauen auf den Straßenstrich zu schicken - auf dem die Preise immer mehr sinken und die Frauen immer länger arbeiten müssen, um überhaupt nur ansatzweise genügend Geld verdienen zu können.

Das Buch bietet einen sehr interessanten Einblick in die Methoden dieses modernen Sklavenhandels, es erschreckt mit Zahlen zum Ausmaß der Tragödie und der Menge an betroffenen Frauen. Es ist ein Dokument eines beschämenden Frauenhandels, der von schwarzen Frauen an schwarzen Frauen verübt wird, letztendlich aber nur durch die Nachfrage weißer Männer als Konsumenten der Ware Frau existiert.

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