Corinne Banora: Musskeeba

Anna 8. August 2008

musskeeba1 Corinne Banora: MusskeebaMusskeeba,

ist in Gambia bei den Mandinka die Bezeichnung für eine ältere weise Frau aber auch für die Erstfrau in einer polygamen Beziehung. Die Schweizerin Corinne Banora ist für einige Zeit eine Musskeeba gewesen und berichtet in ihrem gleichnamigen Buch über ihren mehrmonatigen Aufenthalt in Gambia.

Corinne Banora heiratet einen Mann aus Gambia, wenige Monate nach der Hochzeit erklärt dieser ihr, dass er in Gambia eine zweite Frau heiraten wird. Eine Verwandte, der er schon länger versprochen ist. Corinne Banora bleibt trotz des Schocks dieser Nachricht mit ihm zusammen, beschäftigt sich vermehrt mit seiner Kultur und seiner Religion. Nach einigen Jahren reist sie mit ihrer kleinen Tochter nach Gambia, gewissermaßen um das Zusammenleben mit ihrer Mitehefrau auszuprobieren. Der Ehemann bleibt während dieser Zeit in der Schweiz, so dass sie ganz auf sich allein gestellt ist.

Genau dies ist der Reiz des Buches, die Autorin macht ihre Erfahrungen alleine ohne den Ehemann als Vermittler aber auch ohne ihn als Konfliktträger, sie kommt somit direkter an die Menschen dort als wenn er dabei wäre.

Corinne Banora beschreibt ihre Erfahrungen sehr offen und sympathisch, sie versucht nicht zu werten über traditionelle und kulturelle Gegebenheiten, v.a. auch nicht über die Polygamie. Das Buch dokumentiert eine Reise nach Gambia, am Ende der Reise steht das Scheitern der Paarbeziehung, das Ende des Versuches in Polygamie mit ihren Mann zu leben.

Ein lesenswertes Buch über ein in europäisch-afrikanischen Beziehungen leider immer wieder vorkommendes Problem: die zweite (oder gar erste) Frau in der Heimat des Ehemannes. Das Buch zeigt dieses Problem sehr deutlich, es warnt auch davor, denn meistens erzählen die afrikanischen Männern von der zweiten Frau nicht so offen wie in diesem Fall. Corinne Banora verdammt dabei jedoch nicht die afrikanischen Männer, sondern zeigt, dass es auch die Hoffnung gibt, dass es ein Zusammenleben geben kann, auch wenn das ihr selbst und ihrem Mann letztendlich nicht gelungen ist.

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3 Reaktionen zu “Corinne Banora: Musskeeba”

  1. Gabrielaam 18. Oktober 2008 um 18:39 Uhr

    Ein sehr spannend geschriebenes Buch, aus der Perspektive einer Europäerin, die immer wieder versucht, wertfrei, sich in die Kultur, das Denken und Fühlen ihrer afrikanischen Mitmenschen einzufühlen.

    So beschreibt Frau Banora den gambischen Alltag , sowie das gambische Leben mit all seinen Widrigkeiten, Gegensätzen und auch Schönheiten.

    Es ist auch ein Stück Selbsterfahrung, dort zu leben, die eigenen Grenzen auszutesten und der immerwährende Versuch, sich mit der Zweitfrau und dem gemeinsamen Ehemann zu arrangieren, was aber letztendlich an der eigenen Sozialisation und den eigenen Grenzen scheitert.

    Sehr schön finde ich auch, dass der Leser durch die Fotos von Familienmitgliedern und Freunden, als auch Alltagsgeschehen, vermehrt in die Geschichte miteinbezogen wird und es so erlebt als ob er dabei sei.

    Durch den sehr persönlichen Erzählstil, und die ansprechende Darstellung der Geschichte, ist es Corinne Banora gelungen, sehr viel Sympathie, als auch Verständnis für die Erzählerin, das Land und seinen Menschen zu entwickeln.

    Eine kluge Aufarbeitung der eigenen Situation, ein liebenswertes und spannendes Buch.

  2. jigeenam 27. Dezember 2008 um 01:35 Uhr

    Zum ersten Kommentar: Musskebba ist keinesfalls an die weiße Hautfarbe gebunden. Es heißt ältere Frau oder erste Frau, je nach Kontext.

    Ich kenne Gambia sehr gut, und mir hat das Buch genau so wenig gefallen wie die weiße Massai. Beide Frauen haben sich nicht einlassen können auf ihr neues Leben, und alles, was anders war, hat sie genervt. Das nervt mich als Leser dann auch. Da entsteht bei kir so manchmal den Eindruck, dass Frauen einfach in bestimmten Situationen aufhören zu denken. Ich bin selbst eine Frau und finde, man kann auch in Sachen Liebe offene Augen behalten.

  3. Annaam 27. Dezember 2008 um 12:45 Uhr

    Zum ersten Kommentar: Musskebba ist keinesfalls an die weiße Hautfarbe gebunden. Es heißt ältere Frau oder erste Frau, je nach Kontext.

    nichts anderes steht doch da aber, von weißer Frau ist doch gar keine Rede sondern von einer weisen Frau

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