Abdourahman A. Waberi: Schädelernte

Anna 12. Mai 2009

waberi-185x300 Abdourahman A. Waberi: SchädelernteSchädelernte ist der Titel eines Buches von Abdourahman Waberi zum Thema Genozid in Ruanda. Es ist ein Ergebnis des Projektes „Rwanda - écrire par devoir de mémoire“, in dessen Rahmen zehn afrikanische Schriftsteller Ruanda im Jahr 1998 besuchten. Dabei sahen sie die Stätten des Genozid aber sie sprachen auch mit Opfern und Tätern.

Auf Deutsch war aus dem Projekt bisher nur Véronique Tadjos: „Der Schatten Gottes: Reise ans Ende Ruandas“ erschienen, Ende 2008 ist nun 4 Jahre nach der Originalausgabe auch Waberis Buch auf Deutsch erschienen. (Gerade aktuell ist noch ein weiteres Buch herausgekommen, das aus diesem Projekt entstanden ist: Meja Mwangi „Big Chiefs, Vorstellung folgt in der Mai-Ausgabe von LoNam)

Waberis Buch ist ein äußerlich kleines, schmales Bändchen, das einem aber beim Lesen so erschüttert wie das auch nicht Tausend Seiten besser schaffen könnten. Waberi beschreibt, dass er von seinen Eindrücken in Ruanda wie gelähmt war. Wie kann man über diese Eindrücke über ein Genozid schreiben? Er wählt den Weg einer Aneinanderreihung von persönlichen Eindrücken, von Aussagen von Opfer und Tätern, verbunden nur durch Gedichtzitate von Aimé Césaire. Und so beschreibt Waberi diese unfassbaren Gegensätze einer grünen fast paradiesischen Landschaft und dem Gemetzel zwischen den Menschen. Hundert Tage Genozid, die über Jahre/Jahrzehnte vorbereitet waren. Am Ende gibt es noch einen eher düstern Ausblick, in dem er auf das Nachbarland Burundi verweist, in dem sich viele der Kriegsverbrecher.

Ein unheimlich berührendes Buch!

 

Abdourahman A. Waberi: Schädelernte. – Kehl : Litradukt, 2008, 7,80 €

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